IMG 2939Reist man nach Liverpool, dann denkt man unweigerlich an Fußball und die Beatles. Wenn man, so wie der Autor beides liebt, fühlt man sich wie im Paradies. Die Stadt hat sich seit meinem letzten Besuch merklich geändert. War es in den 90ern noch eine eher runtergekommene Hafenstadt, so ist es nun eine gepflegte Kleinstadt mit einem Hafenviertel, in dem sich Shops, Cafés, Restaurants und Museen befinden. Natürlich wurde das Beatles Museum besucht und in den 60s schwelgen.

 

 

Man kann Musik und Fußball schwer voneinander trennen, denn beides ist in dieser Stadt omnipräsent.

IMG 2948IMG 2957Doch beginnen wir mit Fußball. Ein Spieltag ist in der Stadt nicht zu übersehen. Überall Rot/Weiße Schals, Dressen und Kappen. Der Bus Richtung Anfield ist mit Liverpool Fans voll besetzt. Ist man beim Stadion fällt einem sofort der große Fanshop auf, der schon 3 Stunden vor Spielbeginn mehr als nur gut besucht ist. Es tummeln sich viele Familien und vor allem Asiaten, die sich mit Fanartikeln eindecken. Auffallend ist, dass das aktuelle Liverpool Dress mit allen Aufdrucken billiger ist, als das neue Heimdress bei Rapid...

Doch der Konsumtempel wurde nur kurz besichtigt, wichtiger ist der Shankley Gate mit dem berühmten „You’ll Never Walk Alone“ Schriftzug und vor allem das HillsboroughMemorial, welches an die 96 Toten der Tragödie von 1989 gedenkt. Die Straße vor dem Memorial wurde „96 Avenue“ benannt. Als Fußballfan, der sich an diese Tragödies samt den unappetitlichen Umständen noch gut erinnern kann, ein Moment der Stille...

Gerade diese Katastrophe und die Reaktion der Menschen in Liverpool, macht diese Stadt und deren Bewohner so liebenswert. Natürlich ist diese Metropole am Mersey Fluß in Blau und Rot geteilt. Dieser Zwist zieht sich durch Familien und im Gegensatz zu Stadtderbys aus Wien, Glasgow oder Athen, ist diese Rivalität in erster Linie eine sportliche. Die zeigte sich nach Hillsborough 1989, als Everton mit den Roten trauerte. Auch der Boycott der Boulevardzeitung „Sun“ (Don’t Buy The Sun) wird auch von den Toffees unterstützt.

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Vielleicht liegt das auch an der gemeinsamen Gründungsgeschichte der beiden Vereine. Everton ist der ältere Verein und spielte zu Beginn an der Anfield Road. Streitereien um die Kosten des Platzes an der Anfield Road ließ Everton an die Goodison Road ziehen und 1892 den Liverpool FC gründen, der nun seit damals an der Anfield Road spielt.

Im Jahre 1992 war ich letztmalig auf Anfield und da gab es im Kop noch Stehplätze. Zwei Jahre 1994 wurden auf Grund des Taylor das Stadion ein Allseater und naja....

2017 am Boxing day gegen Swansea (5-0) waren zwar 54.000 Fans im Stadion, dennoch hört man bei einem Corner die Spieler schreien. Nur sporadisch erkennt man, was sich da einmal getan hat und was möglich wäre. Beim YNWA ein paar Minuten vor Spielbeginn bekommen aber auch gesetzte Herren immer noch Gänsehaut. So schön wie hier klingt es halt nur auf Anfield.

 

Beatles / Musik

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Nach dem Spiel geht es noch ein nahegelegenes Pub und man lauscht gebannt den Scouser Dialekt der Einheimischen und versucht die Debatten über das Spiel zu folgen. Alleine, es ist Hoffnungslos.

IMG 2978Zurück im City Center geht es in den Cavern Club um Musik zu hören. Ist Anfield und speziell der Kop die Wiege aller Fankurven, so ist der Cavern wohl der Geburtshelfer der Popmusik der Neuzeit. Hier begannen die Beatles ihre große Karriere und bis heute singen Jung und Alt ihre nach wie vor großartigen Songs.

Rapidbezug

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Rapidbezug gibt es in Liverpool natürlich auch. Abgesehen davon, dass im Liverpool Museum ein Rapidschal hängt, haben wir mit dem Everton FC eine gemeinsame Geschichte, nämlich das Finale im Cup der Cupsieger am 15.5.1985 in Rotterdam.

Kommt man an die Goodison Road, merkt man gleich, dass Everton der weniger glamouröse Verein am Merseyfluss ist. An der Anfield Road bekommt man gleich den Fanshop zu Gesicht, während man als weniger Ortskundiger ein wenig suchen muss, ist der Shop des Everton FC nicht direkt im Stadion integriert und von der Größe her mit dem des SK Rapid zu vergleichen.

Der Goodison Park liegt noch mehr im bewohnten Gebiet und man hat das Gefühl, dass Stadion wurde mit aller Gewalt gerade noch neben einer Kirche gebaut, ohne diese zu Berühren. Ein Ausbau, wie vom Verein gewünscht, ist hier nur schwer vorstellbar.

Im Shop des Everton FC bekommt neben dem üblichen auch das Buch „Everton Greatest Games“ zu kaufen. 

Natürlich wird dem Leser auch das Finale am 15. Mai 1985 in Rotterdam in einem eigenen Kapitel näher gebracht und in diesem vermisst man teilweise den so berühmten „english sportmanship“.

Einige Spieler waren im Dezember 1984 in Manchester beim legendären Spiel gegen Celtic und waren auch nach ihrem Semifinalerfolg gegen Bayern („The greatest night at Goodison“) überzeugt davon Rapid „quite handsomely“ zu besiegen. Der Flaschenwurf auf Rudi Weinhofer war natürlich „untrue“ und unser Sieg im Halbfinale gegen Dynamo Moskau war „slightly easier“ als ihr Spiel gegen den FC Bayern.

Das Finale selber wird dann recht sachlich beschrieben, denn die Überlegenheit der Toffees war und ist ja auch 33 später nicht von der Hand zu weisen. Eine kleine Spitze gab es aber dennoch, denn das Tor zum Anschlusstreffer von Hans Krankl war „possibly in a offside position“...

Wenigstens wurden wir als „Austrian Giants“ bezeichnet.

An dieses Spiel wird nicht nur in diesem Buch erinnert, sondern auch auf einer Timeline an der Stadionaußenseite an der Goodison Road, wo in Bildern und mit knappen Text die wesentlichsten Ereignisse in der Geschichte des 1878 gegründeten Everton FC sichtbar gemacht wurden. Etwas, was man sich auch im Weststadion gut vorstellen könnte. Generell können wir im punkto Traditionspflege von den englischen Vereinen noch sehr sehr viel lernen.

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