Alfred Körner
Am 9. September kam es zu einer Begegnung der ganz besonderen Art. Im Alt-Wiener Restaurant Mader wurde eine der größten Rapidler aller Zeiten mit einem eigenen Wimpel geehrt. Rechtsanwalt Werner Tomanek, Ultras Rapid Gründer Roland Kresa und Andi „Memphis“ organisierten die Ehrung vom Wimpeldesign und dessen Herstellung bis zur Übergabe im vor Rapid-Geschichte strotzenden Restaurant Mader in gewohnt hervorragender Manier. Kurz zum Mader, hier wurden früher die Europacupgegner Rapids verköstigt und vom Chef persönlich umsorgt, was vor allem beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden wunderbar funktionierte. Herr Mader war auch mitverantwortlich für Transfers wie den von Anatoli Sintschenko der mit Rapid zwei Mal Meister und einmal Cupsieger wurde. Herr Körner war jedenfalls angetan von der Aktion und sehr glücklich mit dem Wimpel. Mehrfach wurde besonders das Design von Roland Kresa gelobt, doch einen Kritikpunkt fand der rüstige Altinternationale: „Do steht jo 7 moi Master, do hobt´s owa nua de bei da Rapid zöt!“ (lacht) Herr Körner, der den Anwesenden das Du-Wort anbot klärte auf: Einmal wurde er auch mit der Admira Meister. Und er erzählt noch vieles mehr, über damals, aber auch zur heutigen Rapid hat der Pensionist eine sehr fundierte Meinung, die aber privat bleibt.

 

Alfred Koerner und Andi Memphis   Anwalt Werner Tomanek und Koerner .  Gruppe   kersten koerner   Koerner Wimpel

  

 

 

 

 

 

Zum Nachlesen können wir aber ein Interview aus unserem Archiv anbieten:

Interview von GREGOR LABES vom 8. Mai 2009

"Eine Episode noch!"

Die Liste vergangener Erfolge ist bei Alfred Körner lang, sehr lang. Der am 14. Februar 1926 geborene Kult-Spieler besetzte meist zusammen mit seinem dreieinhalb Jahre älteren Bruder Robert die offensiven Außenpositionen bei Rapid und im Nationalteam. Körner II, wie Alfred genannt wurde, spielte zwei Jahrzehnte und 283 Meisterschafts-Spiele lang bei Rapid (7mal Meister, 1mal Cupsieger, 1mal Zentropacup-Sieger, 3mal Jugend-Meister) und schoss dabei unglaubliche 157 Tore. Nach seiner Karriere in Hütteldorf kickte Alfred Körner erfolgreich weiter – dreieinhalb Jahre bei derAdmira und danach ebenso lang bei der Vienna. Für Österreichs Nationalteam absolvierte Körner 47 Länderspiele (14 Tore), wurde 1954 WM-Dritter in der Schweiz und nahm auch an der Weltmeisterschaft 

1958 in Schweden teil. Alfred Körner ist Ehren-Präsident des "Legenden-Klubs des SK Rapid Wien" (2007 ins Leben gerufen, 70 Mitglieder) und Kapitän der "Steinzeit"-Mannschaft.

Alfred Körner hat in seinem bewegten Leben eine Unmenge erlebt und aliquot viel zu erzählen. Geistig ist er noch zu 99% fit, springt wie eine Berg-Gemse zwischen hundert Anekdoten hin und her. "Episoden" nennt das die Rapid-Legende. Nur körperlich zwickt es, ist es "ein Kreuz mit dem Kreuz", das die Lebenslust ein wenig hemmt. Aber nur ein wenig, denn das Feuer lodert in der 83jährigen Legende noch immer lichterloh. Wenn er im VIP-Bereich des Hanappi-Stadions von längst vergangenen Zeiten erzählt, fühlt man sich als Zuhörer in wohlig-warme Nostalgie gehüllt. Alfred Körner ist ein blendender Erzähler und lässt mich an dieser Gabe teilhaben, obwohl er Journalisten wie die Pest hasst. Am Ende unserer Verabredung lädt er mich ein, ein paar Blicke in sein eigenes Büro zu werfen. Ich verspüre nur Dankbarkeit, und Herr Körner ist gnädig. Mit dem Schalk im Nacken sagt er mir, dass ich das mit den Journalisten nicht persönlich nehmen soll...und ich lächle erleichtert zurück.



Herr Körner, wie fühlt es sich für Sie an, eine lebende Legende zu sein?


(ernst und schmähbereit zugleich) Sehr bedauerlich, weil das ja etwas mit dem Alter zu tun hat. Und das ist das Erschütternde daran. Aber das Alter macht vor niemandem halt. Die Zeit bei Rapid war die schönste überhaupt. Ich bin stolz, eine Rapid-Legende zu sein, aber ich wäre lieber jetzt beim Aufbau dabei. Weil die Jugend ist nicht schlecht, aber sie ist schlecht geführt. Wenn ich etwas vorlesen darf? (beginnt zu referieren) Vom 38er-Jahr bis 59 war ich bei Rapid, 21 Jahre lang – das ist schon etwas. Von der Jugend bis in die Kampfmannschaft. Wir sind Deutscher Meister geworden. Dann sind wir als Junge gleich in die Kampf-Mannschaft gekommen, mein Bruder, der Happel und ich (Alfred Körner debütierte in der Saison 1942/43 genau an seinem 17. Geburtstag bei einer 1:7-Auswärts-Niederlage beim FAC und schoss den Ehrentreffer. Rapid verlor in dieser Phase fünmal hintereinander, wurde Sechster und setzte insgesamt 35 Spieler ein, Anm.) Und das ist ja heute das Übel. Heute wird das mehr getrennt. Aber nix – die Spieler gehören vermischt, jung und alt. Weil die Jugend soll noch geführt werden, auch wenn sie glaubt, dass sie schon soweit ist. Wir haben das Glück gehabt, dass wir mit den alten Spielern mitgewachsen sind. Der "Bimbo" Binder war mein väterlicher Freund. Ein halbes Jahr war ich mit ihm noch per Sie, bis er dann gesagt hat (verändert die Stimme) "Heast Bua, jetzt spielst Du schon neben mir – sag halt einmal Franz." Ich hätte mir das nie erlaubt, den Binder ohne Erlaubnis per Du anzureden.

Was ist noch anders als damals?


Heute schauen sie sich die Spieler in den unteren Ligen ja nicht mehr an. Das verurteile ich. Anstatt eigene aufzubauen, werden dann Spieler geholt, die sich bei anderen Vereinen durchgesetzt haben. Und ein Spieler, der woanders gut spielt, spielt noch lange nicht gut bei der Rapid. Wenn ich nur an die Rapid-Trainer der letzten Jahre denke! Jetzt ist das anders. Der Pacult hat eine Rapid-Schule genossen, der kann sich immer durchsetzen. Und überall! Die Rapid-Schule ist die beste, die es gibt. 
Der Gludovatz (Paul, Anm.) zum Beispiel führt seine Spieler hervorragend, da kannst du ihm nur gratulieren. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass der Gludovatz eine Rapid oder Austria trainieren kann. Das ist ein Unterschied! Und beim Zellhofer (Georg, Anm.) hat man es gesehen. Der hat ja mit der VOEST kaum international gespielt. Welche Erfahrungen will denn der haben? 
Außerdem ist heutzutage alles überzüchtet – und das ist nicht gut. Wir holen einen Tanz-Lehrer aus England. (lacht und schüttelt ungläubig den Kopf) Oder die Goalmann-Trainer. Nicht ein Goalie bringt den Ball mit seinem Ausschuss zum Mann, und dafür brauche ich einen Tormann-Trainer? Früher hat der Trainer die Erste und die Reserve betreut und hat ganz genau gewusst, wem er vertrauen und hinaufnehmen kann. Aber wie gesagt – es ist eine andere Zeit.

Wie waren die damaligen Umstände für einen Fußballer?


Ich habe immer nebenbei gearbeitet. Bei Rapid hat es immer geheißen: "Geh' auch noch etwas hackeln." Über Rapid habe ich einen Job bei der Niederösterreichischen Landesregierung bekommen, gemeinsam mit Ernst Happel. Mein Bruder war in der Bibliothek, der Merkel in der Reifen-Abteilung bei der Ausgabe. Ich war zum Beispiel im Kultur-Referat undsoweiterundsofort. Bei Auslands-Reisen hat mich das Land NÖ immer freigestellt. Insgesamt waren wir sieben von Rapid. Die anderen waren beim Gas- und beim E-Werk, aber da war für uns kein Platz mehr frei. Bei Rapid muss man viel arbeiten – ganz allgemein, weil jeder die Rapid schlagen will. Das war schon in unserer Jugend so. Da haben wir es nicht immer leicht gehabt. Im Kabinen-Bereich haben wir einen Kessel mit 200 Liter Warmwasser gehabt. Da sind dann die Alten zuerst zum Duschen drangekommen und am Ende wir (Pause) , wenn es nur noch kaltes Wasser gegeben hat. Beim Massieren bist auch als Letzter drangekommen. Aber wehe, wenn Du früher gegangen wärst! Da hätte es ein Tamtam gegeben. Weil da war ja alles viel disziplinierter. Von nichts kommt nichts. Zum Beispiel die Rapid-Viertelstunde – bei uns hat man immer bis zum Ende alles geben müssen, das war die Mindest-Voraussetzung. Für den zahlenden Zuschauer, der dann hinter dir steht, wäre es ein Affront gewesen, wenn Du nicht alles gibst. Das Ergebnis war erst an zweiter Stelle, wichtiger war das Probieren, der Kampfgeist. Wir sind noch auf 80 Spiele im Jahr gekommen und heute jammern's bei 45. Daneben habe ich noch nebenbei im Kultur-Referat gearbeitet und die "Schwestern-Ausbildung" in NÖ geleitet.

Und wie hat sich das Spiel selbst verändert?


Es hat sich alles geändert – nur das Spielfeld ist gleich geblieben. Wenn mir noch einer gesagt hätte, dass ich alleine Stürmer spielen soll, dann hätte ich "Baba" gesagt und dass ich lieber Handball spielen gehe. Fußball ist ein Mannschafts-Sport. Wir gewinnen miteinander, wir verlieren miteinander. Und das ist das ganze Geheimnis! Heute werden's gleich ganz wahnsinnig, wenn einer drei Goal schießt. Die haben wir früher auch geschossen, aber da hat sich keiner hervorgetan. 
Fußball muss einem in die Wiege gelegt sein, das kann man nicht lernen. Man kann sich verbessern, aber lernen kann man es nicht. 
Und die vielen Verletzungen heute! Ich kann mich nicht erinnern, dass wir soviele Verletzungen gehabt hätten. Wir haben ja auch körperbetont gespielt. Aber es kommt halt auf die Mischung an. Technik muss schon auch vorhanden sein. Die Mischung ist das schwerste im Fußball. Auf die kommt es an. Die Mischung war damals besser!

Wie sind Sie zum Fussball und zur Rapid gekommen?

Da im Gretzel hat man zu einem Klub aus der Gegend gehen müssen. Die im zweiten Bezirk haben zur Austria gehen müssen oder zum WAC. Das war damals geografisch eingeteilt. Wir haben ein "Gassen-Spiel" gehabt, Matzner-Park gegen Breitensee. Ich war bei Breitensee. Und der Hofer (Franz, Anm.) war dort und hat uns ein Autogramm gegeben und gemeint, wir sollen uns damit am Mittwoch bei Rapid melden. An diesem Mittwoch sind dann der Körner I, der Körner II und der Happel, der Gsell und der Kaubek (Adalbert, Anm.) bei Rapid aufmarschiert. Der Gsöll-Bua (Leopold, Anm.) und der Kaubek kommen auch immer am Freitag. (schaut betroffen) Aber dem Kaubek haben sie jetzt eine Zehe amputiert. (wieder zurück zum Thema) Die, die weiter weg gewohnt haben, haben einen Fahrschein gekriegt. Aber mein Bruder und ich sind zum Training hingelaufen und nach dem Training wieder heimgelaufen.

Gemeinsam mit Ihrem Bruder Robert wurden Sie als "Körner I" und "Körner II" bei der Rapid und im Nationalteam berühmt. Sie waren der Linksaußen, er der Rechtsaußen. Wer war der Bessere?

Der Robert war technisch der Bessere. Er war schlanker, graziler. Als wir uns bei der Rapid mit dem bereits erwähnten Autogramm vorgestellt haben, wollten sie den Robert wieder nachhause zum Knödel Essen schicken. Da habe ich gesagt, dass ich dann auch nicht mehr komme. So sind wir dann da geblieben.

Haben Sie noch irgendeine spezielle Kindheits-Erinnerung im Zusammenhang mit Fußball?

Von einem Mantel, der schon etwas schleißig war, haben mein Bruder und ich als Kinder die Knöpfe abgetrennt und die Köpfe der Spieler aus den Zeitschriften ausgeschnitten und auf die Knöpfe geklebt. "Knöpferl-Match" hat man das genannt. Der Gegenspieler hat mit der Austria spielen müssen. Das war leider ich, weil ich war der Jüngere. Von einer Dress von Real Madrid oder so etwas haben wir damals nur träumen können. Und dann habe ich mit der Rapid dort gespielt im Bernabeu!

Wohin hat es Sie als Rapidler sonst noch in der Welt hingebracht?

Wir waren überall die Pioniere, sei es in Südamerika, in Australien, Holland, Dänemark. Und Russland. Aber ohne Bank-Garantien. Wir sind auf gut Glück hingefahren. Wenn wir ein Pech gehabt hätten, hätten wir nach Hause schwimmen müssen. Rapid hat immer in der ganzen Welt einen guten Namen gehabt. Uns haben die Russen zuerst geholt. Die Geschenke, die wir dort bekommen haben, haben wir dann vier Wochen später in Südamerika wieder verkauft. 
Nach dem Krieg waren dann die Russen bei uns als Besetzungs-Macht. Da haben sie ihre Pferde auf unseren Platz geschickt. Die Viecher haben dann unseren Rasen gemütlich aufgefressen. Und statt ein Training abzuhalten, haben wir oft gegen die angetschecherten Russen gespielt, die vom Hütteldorfer Bräu gekommen sind.

Stimmt es, dass Sie der Erfinder des Stanglpasses sind?


Mein Bruder war das. Und jetzt redet die ganze Welt von einem Stanglpass! Mein Bruder war der Erfinder, aber ich habe ihn auch zusammengenbracht. (schmunzelt)

Wussten Sie, dass Sie bei den beiden zweithöchsten Bundesliga-Siegen Rapids (jeweils 12:1) am Platz gestanden haben?


Nein, an das kann ich mich nicht mehr erinnern. Da weiß ich noch vom 6:1 gegen Arsenal 1953. Aber das war ja nicht nur Arsenal.

Ein Jahr nach Arsenal kam die WM 54. Sie sind Dritter geworden und waren Doppel-Torschütze im legendären Spiel gegen die Schweiz, das 7:5 für Österreich ausging. Dabei wurde ein 0:3-Rückstand innerhalb von zehn Minuten in ein 5:3 verwandelt. Nicht zuletzt, weil Sie zwei Tore geschossen haben. Wie war das?

Das ist ja das Interessante beim Fußball! Auf einmal ist es damals gerannt. Zuerst war das ein Schock! 0:3 und mein Bruder hat einen Elfer auch noch verschossen. Aber auf einmal haben wir eines der besten österreichischen Spiele aller Zeiten geliefert. Den Schweizern war noch bis zum Schlusspfiff schwindlig!
Der Empfang am Wiener Westbahnhof soll ja wenig freundlich gewesen sein, dafür dass man gerade Dritter geworden ist? 
Der Happel und der Zeman haben bei der Ankunft hinten hinausgehen müssen. Die Menschen waren ganz aufgebracht, weil ein Journalist Blödsinn (Zeman und vor allem Happel waren die Sündenböcke nach der unerwarteten 1:6-Niederlage gegen Deutschland, Anm.) geschrieben hat. Aber in den Bundesländern draußen sind wir dafür gefeiert worden und haben bei jeder Station angehalten und die Leute haben uns zugejubelt. Nur in Wien war alles anders! Aber das war nicht die einzige Enttäuschung mit dem Nationalteam. Ich habe 47 Länderspiele gehabt, aber als der Decker (Karl, Anm.) Teamchef war, hat er lieber Unbekannte spielen lassen, anstatt mich auf die 50 Einsätze kommen zu lassen. Unanständig ist das! Hätte er mich halt immer nur ein paar Minuten spielen lassen, dann hätte ich eine kleine Ehrung gehabt, und das hätte mich auch gefreut.

Apropos: Für Ihre Erfolge und die späteren Verdienste rund um den "Klub der Alt-Internationalen" wurde Ihnen vor knapp drei Jahren das Silberne Ehrenzeichen der Stadt Wien verliehen. Wie haben Sie sich gefühlt?


Das war super. Ich habe auch von Rapid viele Auszeichnungen zuhause.

Worauf sind Sie noch stolz?


1948 war ich bei der Olympiade in London. Das lässt jeder unter den Tisch fallen, dass ich da als Junger schon dabei war. Leider sind wir in der ersten Runde gegen die Schweden rausgefallen. Und noch eine Episode: Früher haben wir einen bei der Rapid gehabt, der hat Wesely (Ferdinand, Anm.) geheißen. Der hat den Drehschuss erfunden. Das wollte ich unbedingt auch zusammenbringen. Und dann habe ich geübt, viel und lange. Am Ende war ich dann der, der den Drehschuss perfektioniert hat. Bis heute kann keiner diesen Drehschuss, obwohl ich schon solange ins Stadion gehe. (gestikuliert mit) Die Tormänner haben immer gedacht, dass er am rechten Eck vorbeigeht, dabei ist er dann fast immer hineingegangen. Heute brauchen sie sogar international eine Halbzeit dafür, dass sie einmal auf's Tor schießen. Das ist ja erschütternd! Bei uns hat es noch die so genannte "Völkerwanderung" gegeben. Unsere Anhänger sind immer mit unserem Sturm auf die jeweilige Seite mitgegangen, weil sie gewusst haben, dass es sich dort abspielt. Aber das sind Nostalgien, die sich nicht mehr wiederholen werden.

Und wie gefällt es Ihnen heute im Stadion, im wahrscheinlich abgeklärteren Alter?


Wenn die Buben jetzt rennen und gewinnen, ist das gut – da kann ich nie ein Herzleiden bekommen! (lacht) Ruhig bin ich aber überhaupt nicht. Ich rege mich über jedes gemeine Foul auf! Wenn mich früher jemand absichtlich gefoult hat, dann bin ich halt ein bisserl höher gestiegen. Und die haben sie dann hinausgetragen, weil ich im Gegensatz zu vielen anderen ein Foul mit Ball begehen können hab'.

Böse. Wer ist der "gute Geist" von Hütteldorf?

Der Präsident Edliger. Am Totenbett hat der Benya (Anton, ehemaliger Erster Nationalrats-Präsident und Rapid-Präsident, Anm.) ihm gesagt, dass er die Rapid übernehmen muss. Die Schulden hat er zwar auch nicht weg gekriegt, aber die waren bei dem Verein schon immer da. Warum weiß ich auch nicht. Und der Andi Marek ist ein Genie! Was der Bursch zusammendreht, ist unglaublich.

Gab es auch menschliche Enttäuschungen bei der Rapid?


Mit den "21ern" bin ich als Trainer mit 18 Punkten Vorsprung Meister geworden, und der Präsident Draxler (Josef, Anm.) wollte mich loben. Ich habe aber gesagt, dass es uns mehr gefreut hätte, wenn er einmal in die Kabine gekommen wäre, um die Jungen zu loben. Eine ganze Saison lang ist er nicht eine Minute bei der Mannschaft gewesen! Ich bin aufgestanden und bin gegangen. Dem Krankl ist er in den Arsch gekrallt, aber sonst war sein Verhalten eine Unart.

Wen oder was mögen Sie sonst noch NICHT?

Funktionäre hasse ich genauso, wie die Journalisten – diese Besserwisser! Die Vienna habe ich 1968 als Trainer am dritten Platz übergeben – und dann sind die Besserwisser gekommen. Mit dem Koller (Karl, Anm.) als Trainer sind Sie dann gleich abgestiegen. Aber geschrieben haben Sie, dass der Körner II die Verantwortung dafür trägt. Eine Frechheit! Eine andere Episode: Einmal war ich bei einem Länderspiel verletzt. Aber weil mein Ersatz-Mann auch verletzt war, habe ich dann doch gespielt. Nicht gut, leider. Der Hugo Meisl hat dann einen offenen Brief an mich geschrieben – er hat mir Prämien-Geilheit vorgeworfen, dabei wollte ich nur helfen. Mein Verhältnis zur Presse war nicht gut. Aber ich möchte niemanden ausrichten. 
Und was bei den Bayern passiert, ist ja ein Wahnsinn! Lauter Funktionäre, lauter Ex-Fussballer – aber was da geredet wird! Der Rumenigge kritisiert andauernd, dabei hat er noch nie eine Mannschaft betreut. Oder der „Barterte" (Paul Breitner, Anm.) ! Die wissen es immer besser und haben keine Ahnung vom Menschen. Bei uns sind noch der Binder (Franz, Anm.) und der Pesser (Hans, Anm.) vor der Tür gestanden und haben gesagt, dass sie sich anschauen wollen, wie wir wohnen. Die haben sich gekümmert. Das war wirklich eine Familie!

Können Sie Ernst Happel beschreiben? War er als Spieler genauso besonders wie als Trainer?

Als Trainer war er der Beste, den es je gegeben hat. Weltweit! Und er war eine Spieler-Natur. Um Geld hat er sich gar nichts geschert. Er hat seinen eigenen Kopf gehabt und mit seiner Menschen-Kenntnis die anderen genau durchschaut. Ein Phänomen war er als Mensch, charakterlich einmalig. Er hat jedem gleich alles direkt ins Gesicht gesagt! Mit den Journalisten hat er sich auch angelegt. Er hat ja die Toto-Stelle im Jägerkeller gehabt. Und dort hat er sich mit den Journalisten getroffen. Mich und meinen Bruder hat er aber wollen. Fast wären wir sogar als Scouts bei ihm in Hamburg gelandet. Dass wir ein paar österreichische Fußballer groß heraus gebracht hätten, traue ich mich laut sagen. Mir tun der Scocik (Walter, Anm.) und der Flögel (Rudi, Anm.) noch heute leid, weil sie vor keinen Leuten gespielt haben. Aber die Menschen haben die Jungen halt mit der legendären Rapid-Truppe der Nachkriegs-Ära verglichen und waren dann unzufrieden. In Deutschland hätten die aber schon ein Publikum gehabt.

Wer ist Ihrer Meinung nach der beste Rapid-Spieler aller Zeiten?


Da gibt es nur einen Namen – "Bimbo" Binder. Der hat ein Herz mitgebracht und war ein Patzen-Fußballer! Der hat sich für die Rapid aufgeopfert wie kein anderer!

Interview vom 08.05.2009 (grela)


10 Fragen zum besseren Kennenlernen:

Lieblings-Elf aller Zeiten?


Die Ungarn der 50er-Jahre mit Puskas und all den anderen Stars, von denen wir Österreicher gelernt haben. Und der beste aller Zeiten war der Alfredo di Stefano!

Das beeindruckendste Stadion, in dem Sie je gespielt haben?


Im Bernabeu gegen Real Madrid. Und einmal in Russland vor mehr als 100.000 Zuschauern.

Ihre größte Niederlage am Fussball-Platz?


Das 1:6 bei der WM 1954 im Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Deutschland.

Rapid ist...


...mein Leben. Meine Familie aber natürlich auch.

Kottan oder Columbo?


Das sagt mir alles nix. Mir haben die Heimat-Filme von Franz Antel immer am besten gefallen.

Ihr liebster Platz außerhalb von Österreich?

Schweden – das war so sauber und vornehm.

Wovor haben Sie Angst?


Vor Krankheiten. Ich möchte noch ein paar Jahre haben, auch um mein Enkel-Kind, meinen absoluten Liebling, wachsen zu sehen.

Eine Marotte?


Eigentlich keine. Am ehesten noch das Durchschlafen in der Nacht – und das gelingt mir auch.

Welches Talent hätten Sie gerne, haben es aber nicht?


Mir hat der Fußball so viel gegeben, dass ich nie unzufrieden gewesen bin und mir ein weiteres Talent gewünscht hätte.

Der schönste Moment Ihres Lebens?


Die Geburt meines Sohnes.