Text: Max Frey

Die beiden anderen Präsidentschafts-Kandidaten Martin Bruckner und Roland Schmid wurden ja bereits im Forza Rapid #19 vorgestellt, bei Erscheinen der Sommer-Ausgabe konnten wir aber den möglichen dritten Kandidaten nur als „mutmaßlich“ und „aus dem Dunstkreis eines potenten Sponsors des SK Rapid“ erwähnen. Daher versuchen wir, Robert Grüneis nun auf dieser Plattform vor den Vorhang zu bringen.

Der 51-jährige Jurist ist seit März 2017 Vorstand der "Aspern Smarty City Research" (ASCR) und war von 2008 bis 2014 Geschäftsführer von Rapid-Hauptsponsor Wien Energie. Parteipolitisch betrachtet kann er als das „rote Gegengewicht“ zum wie der scheidende Michael Krammer von ÖVP-Seite kommenden Bruckner und zum politisch nicht deklarierten Schmid betrachtet werden. Mit dieser Ausrichtung und seinen bisherigen Arbeigebern liegt aber auch der Schluss nahe, er könnte als „Kandidat der Stadtpolitik“ ins Rennen gehen. Gerade nach den jüngsten Aussagen von Sportstadtrat Peter Hacker über die „Interessen“ der Stadt Wien beim SK Rapid sollte diese Spekulation hellhörig machen.



Kritische Stimmen zu dieser Konstellation kamen zum Beispiel von der Initiative Rapid 2020, doch auch auf dem (stadt-)politischen Parkett wirbelte Grüneis' Kandidatur bereits Staub auf. So brachten die Wiener Neos eine Anfrage an die für die Wiener Stadtwerke zuständige Stadträtin Ulli Sima ein, um eine allfällige Unvereinbarkeit zwischen dem Beruf des Präsidentschafts-Kandidaten, eben dieser Kandidatur und der Verbindung zur Stadt Wien zu prüfen. Dazu ist anzumerken, dass Wien Energie und die Wiener Netze (zu insgesamt 49,95 Prozent) Teilhaber an der ASCR sind. Den Neos ging es bei ihrer Anfrage übrigens laut ihrem Sportsprecher Markus Ornig „rein darum, dass Rapid nicht in Abhängigkeit von Wünschen der Stadt oder des Hauptsponsors geraten darf“.

Grüneis entgegnete dem Vorwurf im Kurier: „Es gibt keine Unvereinbarkeit. Für mich ist klar, dass ich mich im Präsidium bei allen Fragen, die 'Wien Energie' betreffen, der Stimme enthalten würde.“ Und der hier als Kontaktmann zur Stadt Wien immer wieder ins Spiel gebrachte Hacker meinte zu dieser Unvereinbarkeits-Vermutung im selben Medium salopp: „Grüneis wäre ja nicht der Geschäftsführer bei Rapid, sondern Präsident. Er muss keine Sponsorverträge verhandeln. Würden alle Präsidenten Compliance-Probleme mit ihrem Arbeitgeber bekommen, würden Tausende Vereine im Land den Präsidenten verlieren.“ Dass die Sache nicht ganz so einfach ist wie vom Stadtrat dargestellt, ist im Faktencheck der Initiative Rapid 2020 nachzulesen (https://abseits.at/in-depth/gesellschaft-ethik/faktencheck-die-interessen-der-stadt-wien-beim-sk-rapid/).

Wer aber ist dieser Robert Grüneis abseits der Spekulationen um Parteipolitik und Verbindungen zur Stadt Wien? Einblick ins Geschehen beim österreichischen Rekordmeister bekam er nach eigenen Angaben während seiner Tätigkeit bei Wien Energie, er habe „Wien Energie damals beim Einstieg als Sponsor begleitet“ und dabei „gespürt, was in dem Klub für Feuer steckt“, wie er im August der Krone anvertraute. Seit dessen Gründung 2016 gehört er dem Rapid-Beirat an und führt dort sogar den Vorsitz. Dort erlebe man die Faszination. Jetzt will ich mit meinem Team die Zukunft gestalten.

A propos Team: Diesem gehören Renate Anderl (AK-Präsidentin), Max Kindler (ehemaliger ÖBB-Manager und einst Alternativkandidat zu Christoph Peschek für den Posten des Geschäftsführer Wirtschaft), der frühere Handball-Star und jetzige -Manager Konrad Wilczynski, Thomas Waldner (aktuelles Präsidium SK Rapid) und Christoph Marek (Vorstand Allianz Versicherung) an.

Und womit möchte der mit Spitznamen „Grünweiß“ gerufene Kandidat das Wahlkomitte überzeugen? Sein Grundkonzept fußt auf vier Säulen, nämlich „Alles für den Sport, Nachwuchs stärken, Dialog mit der Rapid-Familie und Finanzen optimieren“. Ins langfristig ausgelegte Konzept der Nachwuchsförderung möchte er auch die „Ausbildung abseits des Rasens“ inkludieren. Nicht unmittelbar um ihren Job bangen müssten unter Robert Grüneis wohl die Herren Barisic und Peschek, denn dem Kurier sagte der ASCR-Boss im August: „Als Beiratsvorsitzender kenne ich sie, beide sind Kämpfer. Näher beurteilen könnte ich sie aber erst nach längerer Zeit der Zusammenarbeit.“

Nicht ganz friktionsfrei wird wohl ein allfälliger Konkurrenzkampf mit Mitbewerber Roland Schmid ablaufen. Das schon einmal aus dem Grund, dass Grüneis ursprünglich Teil von Schmids Präsidiums-Team sein sollte und dann im Zuge seiner eigenen Kandidatur laut diesem gleich auch „Unterstützer abgezogen“ hat. Schmid übte aber auch offen Kritik an der für ihn offenkundigen Nähe seines Konkurrenten zur Stadt Wien: “Ganz ohne Politik geht es wohl nicht, aber es schadet Rapid, wenn der Präsident politisch gesteuert werden würde. Und das sehe ich bei Grüneis so“, wurde der Chef von IMMOunited im Kurier zitiert. Geben wir auch hier dem Kandidaten selbst das letzte Wort (zitiert aus der Krone vom 14. August): „Wir setzen Grenzen, sind keine Befehlsempfänger. Zurufe wird es geben, die gehören diskutiert. Dafür werden wir uns mit den Mitgliedern austauschen.“