(Das vollständige Interview ist ab 22. November in der zwanzigsten Ausgabe von FORZA RAPID nachzulesen)

 

„WIR SIND JESUITISCH: FREUNDLICH IM TON, ABER HART IN DER SACHE.“

 

Wie bist Du zum Rapid-Fan geworden?

Mein Vater war Rapidler, damit war alles klar. Ab dem 14. Lebensjahr bin ich dann alle zwei Wochen ins Stadion gegangen, heute stehe ich nur auf einer anderen Tribüne. Zuerst war ich hinter dem Tor, dann seitlich davon, und jetzt bin ich halt in der Loge. Ich durfte damals unter anderem auch Highlights wie die Endspiele in Rotterdam und Brüssel erleben. 

Wie wurde aus dem Fan Martin Bruckner der Anwärter auf das Rapid-Präsidentenamt?

Begonnen hat diese Entwicklung 2013, als mich Michael Krammer fragte, ob ich mir vorstellen könnte, im Präsidium mitzuarbeiten. Als Michael bekanntgegeben hat, dass er nicht mehr kandidieren würde haben mir einige Mitglieder mitgeteilt, sich zu wünschen, den eingeschlagenen Weg mit mir als Präsidenten weiterzugehen. Das war zwar nicht in meiner Lebensplanung enthalten, aber ich bin keiner, der vor Aufgaben davon läuft. Und unser Weg ist es wert, fortgesetzt zu werden. 

Die Überschrift Eures Programms nennt sich „Evolution statt Revolution“, was sind die Kerninhalte?

Wir wollen mit Didi und Zoki im sportlichen Bereich die Kontinuität reinbringen die in den letzten Jahren vielleicht manchmal gefehlt hat. Es wurden jetzt Spieler geholt, die zu Rapid passen, es wird aber wohl noch eine zweite Transferperiode brauchen, um den finalen Umbruch zu vollenden. Wir spielen schneller, wir kämpfen mehr, und auch der eigene Nachwuchs rückt kontinuierlich nach.

Stichwort Zoki, der war dem Vernehmen nach der Scheidungsgrund des schon für Deine Liste angedachten Roland Schmid und ebendieser. Nach heutigem Stand der Dinge - auch in Roland Schmids Programm spielt Barisic eine wichtige Rolle - wäre das vielleicht gar nicht nötig gewesen, schade, oder?

Grundsätzlich ja. Wir waren damals in Gesprächen, und Roland hat die Personalie Barisic damals als problematisch und als Fehler betrachtet. Ich sah das anders, war und bin von ihm überzeugt, und ich glaube die Entwicklung gibt mir recht.

Wie soll der Rapid-Spielstil der Zukunft aussehen?

Wiedererkennbar. Wir wollen schnell nach vorne spielen, dominant spielen, auch über Kampf ins Spiel kommen. Das deckt sich auch mit Zokis Vorstellungen, das vielzitierte „Zoki Taka“ war ja nicht sein bevorzugter Spielstil, sondern dem damaligen Kader sowie den großteils extrem defensiv auftretenden Gegnern geschuldet. Es gibt dazu auch fertige Konzepte, die wir halt noch nicht an die große Glocke gehängt haben, weil das nicht unsere Philosophie war und ist. Wir werden diese Konzepte aber, den Umständen geschuldet, veröffentlichen.

Die veröffentlichten Konzepte von Roland Schmid gehen da tiefer in die Materie als Deine, meinst Du das damit?

Ja, ich habe da einen völlig anderen Zugang. Wir haben beim SK Rapid viele UEFA-Prolizenz Trainer, Videoanalysten, Taktikfüchse und so weiter. Das sind die Profis, und es wäre unsinnig wenn ich als Amateur ihnen vorschreiben würde was sie zu tun hätten. In jeder Firma ist die Geschäftsführung dafür zuständig, solche Konzepte zu erstellen, und so sollte es auch bei uns sein. Wir haben ein sehr gutes Team im sportlichen Bereich, die werden uns die Konzepte vorstellen und und wir werden sie im Präsidium challengen, dafür haben wir unter anderem Gerry Willfurth im Team, der hier mit seiner
Expertise zusätzliches Knowhow einbringen wird.

In einigen Internetforen, ja ich weiß, wird die aktive Parteinahme der Initiative Rapid 2020 für Deine Liste kritisiert. Unter anderem ist Blogger und Fußballforen-Betreiber Daniel Mandl, der kürzlich bei einer SKY-Sendung gemeinsam mit einem zweiten Mitglied der Gruppe für Dich argumentierte, ohne sich als Teammitglied zu erklären, als Sportbeirat vorgesehen. Was entgegnest Du den Kritikern?

Jeder, der mit guten Ideen für den Verein kommt, ist mir willkommen, überhaupt keine Frage. Natürlich sind diese Initiativen teilweise nahe am Verein dran.

Dass ein Internet-Blogger dann Zugang zu Rapid-Interna hat, siehst Du nicht problematisch?

Er ist ja nur in einem beratenden Gremium. Das ist ja auch ein Punkt unseres Konzepts, dass wir die Gremiums-Struktur neuverorten. Der Beirat des SK Rapid war dysfunktional. Wir wollen jetzt einen sportlichen- und wirtschaftlichen Beirat gründen. Diese Beiräte berichten an das Präsidium und beraten es. Das Präsidium funktioniert wie ein Aufsichtsrat und führt nicht das operative Geschäft, das macht die Geschäftsführung, sie kümmern sich in erster Linie um das Tagesgeschäft. Auch das Kuratorium gehört geändert, nebenbei.

Beim Kuratorium war zu vernehmen, dass es nicht unbedingt das beste Einvernehmen gab, siehe Bestellung seiner zwei Mitglieder des Wahlkomitees.

Das war die Entscheidung des Kuratoriums-Vorsitzenden, welche sehr schnell den Mitgliedern vorgelegt und dann ohne Diskussion verabschiedet wurde. Diese Form der Wahl wird es nach einem
Satzungskonvent nicht mehr geben. So wie das gelaufen ist, das geht sich bei mir nicht mehr aus, und ich war damals als Gast dabei. Das geht gegen mein Verständnis von Entscheidungsfindung.

Findest Du den Schritt Krammers, ins Wahlkomitee zu gehen, richtig?

Gegenfrage: Wer hätte es sonst machen sollen?

Ich könnte mir vorstellen, dass Andy Kamper als erfahrenstes Präsidiumsmitglied auf breite Zustimmung gestoßen wäre.

Ich fand die Entscheidung gut, denn niemand weiß besser als Michael, was für den Job benötigt wird.

Allgemein zum Wahlkomitee, siehst Du hier Verbesserungsmöglichkeiten?

Ganz klar. Das führt mich zum Thema Satzungskonvent. Dieses Thema wurde in den letzten Jahren, vielleicht Jahrzehnten, kaum großflächig angepasst, der Verein hat sich aber massiv gewandelt. Das Wahlkomitee hat sich zu hundert Prozent Satzungskonform verhalten, ich finde sie haben einen hervorragenden Job gemacht.

Warum war es nicht möglich, eine Liste zu formen?

Das hätten wir uns wohl alle gewünscht, aber in den Konzepten von Roland und mir gibt es einfach diametrale Unterschiede. Will ich Investoren, will ich Leute, die durch eine Spende etwas mitzureden haben oder will ich einen Mitgliederverein? Da bin ich der Ansicht, dass beide Listen ihre Programme vorstellen und die Mitglieder entscheiden sollen. Eine Koalition der Gegensätze halte ich für wenig gewinnbringend für den SK Rapid. Diesbezüglich gehört der Satzungskonvent auch dazu genutzt, diesen neuen Entwicklungen, bei Wahlen sprich mehrere Kandidaten, Rechnung zu tragen.

Was waren die großen Stolpersteine für eine Liste?

Der gemeinsame Nenner war eben in grundsätzlichen Dingen gering. Die Unabhängigkeit des Vereins ist mir das höchste Gut. Für mich ist das nicht damit vereinbar, dass einer mit fünf Millionen „wachelt“ und für dieses Geld Bedingungen stellt, nämlich dass dieser oder jener dabei zu sein hat. Alle Mitglieder sind zusammen der drittgrößte Sponsor, die haben das Recht, sich ein Präsidium auszusuchen, sonst niemand.

Du sprichst Michael Tojner an.

Er ist Rapidler und immer herzlich willkommen, aber wir sind ein Mitgliederverein und da passt diese Vorgansweise meiner Ansicht nach nicht.

Wärst Du im Falle einer Konsensfindung bereit gewesen, in die zweite Reihe zu treten?

Ja. Ich bin ja kein Egoshooter, es geht um den Verein.

Irgendwo habe ich gelesen, dass Du Dich als „Edelfan“ im Hintergrund siehst.

(lacht) Als Edelfan habe ich mich nie gesehen, nein das kommt nicht von mir. Ich habe in meinem Leben schon viel gemacht, aber man kann mir nicht vorwerfen, abgehoben zu sein. Ich war damals mit meinen Freunden auf der noch nicht ausabonnierten Westtribüne im Weststadion, dann Hanappi-Stadion, und wurde dort als Rapid-Fan sozialisiert, und dazu stehe ich voll und ganz.

Die Fanszene ist eines der heikelsten Themen bei Rapid, was ist Dein Standpunkt zu diesem Thema?

Ich weiß, dass die Stimmung in unserem Stadion wirklich weit vorne ist, was Europas Fußball betrifft. Diese Fans geben sehr, sehr viel, und wir werden immer mit ihnen reden. Es wird dahingehend wohl nie fad werden, aber unser „Modus Operandi“ wird dahingehend weiterhin auf Kommunikation ausgelegt sein, ohne wenn und aber, ich war ja auch bisher involviert.

Kurz noch zur Geschichte bezüglich einer etwaigen Mitarbeit von Helge Payer und Stefan Kulovits im sportlichen Beirat, die via Payer medial abgesagt haben.

Das war ein Missverständnis, welches medial aufgegriffen und falsch wiedergegeben wurde. Wir haben in der Agenda geschrieben, dass wir uns „diese oder jene“ als junge Legenden im Beirat vorstellen könnten. Die Namen waren beispielhaft gewählt, und Helge war gar nicht dabei, wurde von uns nie angefragt.

Wie groß siehst Du die Gefahr dass die letzten drei Spiele vor der Wahl entscheidend für diese sein könnten? Spielt Rapid dreimal so schlecht wie gegen Sankt Pölten, könnte der sportlich Aufschwung davor schnell vergessen sein.

Ich glaube man sieht seit Sommer einen Ruck durch die Mannschaft gehen, auch wenn ich vom Spiel gegen Sankt Pölten auch sehr enttäuscht bin. Ich hoffe, dass die Mitglieder hier objektiv werten, egal wie die letzten Spiele laufen.

Wie siehst Du die Ankündigung Schmids, dass binnen drei bis fünf Jahren die Hälfte aller Spieler der Kampfmannschaft aus dem eigenen Nachwuchs kommen soll?

Wir stehen derzeit bei 40 Prozent, der Sprung ist also nicht wahnsinnig groß. Wir werden auch in Zukunft Transfers tätigen die uns stärker machen, aber keine, die unseren Nachwuchs blockieren. Garantien werde ich keine geben können, die Spieler müssen es dann auch selbst schaffen, dann werden sie gefördert werden, wo es nur geht.

Einige namhafte Legenden sind bekanntermaßen auf der Seite von Schmid, Kurt Garger war bei der vorher angesprochenen SKY-Diskussion so etwas wie der Gegenpart zu den beiden IR 2020-Mitgliedern. Krammer hatte bekanntermaßen nicht die innigste Beziehung zum Legendenklub, ein schweres Erbe, das Du diesbezüglich antrittst?

Ich finde das schade. Denn niemand der Sieben hat mit mir gesprochen oder nach unserem Konzept gefragt, und sie wussten offensichtlich schon vor dessen Veröffentlichung, dass sie das Konzept von Roland Schmid bevorzugen würden. Aber das kann ich nicht ändern. Wir haben viele Legenden an Board, mit Didi und Zoki sogar zwei in den wichtigsten Positionen des Vereins. Es gibt ein Buch, das nennt sich „Wann wird es endlich so wie es nie war“, der Titel beschreibt es ganz gut. Hier wird gemutmaßt und vorab eine Meinung gebildet, und jetzt ist es eben so. Aber damit kann ich leben, und meine Hand ist immer ausgestreckt.

Sollte Deine Kandidatur nicht erfolgreich verlaufen, geht´s dann wieder in den Block West, die Familientribüne, oder könntest Du Dir dann noch vorstellen, in einer Position im Verein tätig zu sein?

(lacht) Ob ich danach in eine Funktion gehen soll, hängt von der anderen Liste ab. Diese Frage unterliegt zum Teil den Wünschen des Mitbewerbers, aber ich denke, dass es mich auf die Allianz-Tribüne ziehen wird. Wieder das Spiel wie ein ganz normaler Fan zu sehen, das stünde mir dann zu.

Im anderen Fall, wie lange würdest Du Dir vorstellen können, das Amt zu führen?

Ich denke, zwei Perioden sind eine gute Zeit, um den Stab weiterzugeben.

Euch, in erster Linie der Geschäftsführung Wirtschaft und dem Präsidenten wird manchmal vorgeworfen, nicht ausreichend mit diversen Partnern kontroversiell zu kommunizieren, wie wirst Du die Kommunikation diesbezüglich weiter führen?

Ich bin keiner, der den Konflikt sucht, bin aber auch nicht konfliktscheu. Wir sind dann „Everbody´s best buddy“, wenn wir überall nachgeben. Am Beispiel Fernsehgelder: Ja, wir wollen das größte Stück vom Kuchen. Warum? Weil Rapid zieht, weil hier die Zuseher sind und weil hier das größte Interesse besteht. Es steht uns zu, Geschenke gibt’s zu Ostern und zu Weihnachten. Wir sind jesuitisch: freundlich im Ton, aber hart in der Sache.

Ein Abschlusssatz?

Ich finde es toll, dass ich diese Wanderung im Stadion gemacht habe, ich hätte mir vor 20, 30 Jahren nicht gedacht, dass ich einmal die Möglichkeit haben werde, Präsident zu werden. Auch das ist Rapid.