(Das vollständige Interview ist ab 22. November in der zwanzigsten Ausgabe von FORZA RAPID nachzulesen)

 

„MAN MUSS MITEINANDER SPRECHEN KÖNNEN“

Wie bist Du zum Rapid-Fan geworden?

Ich bin grün-weiß geboren und habe nur wenige Jahre gebraucht, um draufzukommen. Mein Papa war zwar aus dem Vienna-Umfeld, aber durch Freunde bin ich in der Schulzeit zu Rapid gekommen und bin dann, mit zunehmendem Alter, immer öfters hingegangen. Anfangs auf die Nord, wo ich dann auch ein Abo hatte.

Ab wann warst Du Rapid-Sponsor?

2004 habe ich mich selbstständig gemacht, 2007 kam dann IMMOunited, seit 2012 bin ich als Rapid-Sponsor aktiv. Das Engagement hat sich mit zunehmenden Mitteln weiter gesteigert, heute gehöre ich zu den sechst größten Sponsoren Rapids, was mich sehr stolz macht. Das finanzielle Engagement nutzen wir im Gegenzug unternehmerisch durch das sich ständig erweiternde Netzwerk im VIP-Bereich.

Wie kam es in weiterer Folge zu Deiner Kandidatur?

Das war nicht geplant, hat sich zufällig ergeben. Der erste Anstoß kam von Präsident Krammer, der gefragt hat, ob ich mir eine Mitarbeit in seinem Team prinzipiell vorstellen könnte. Ein paar Wochen später kam sein Entschluss, nicht mehr zu kandidieren. Im März hat mir dann auch Bruckner einen Platz in seinem Präsidium angeboten. Aber das haben wir schnell verworfen.

Warum ist es nicht dazu gekommen?

Aus zwei Gründen. Erstens hatten wir unterschiedliche Meinungen, was die Bestellung von Zoki Barisic als Sportdirektor anging. In zwei Diskussionen haben wir uns da nicht einigen können, auch wenn Barisic aus heutiger Sicht für mich und mein Team unumstritten ist. Ich hätte ihn damals aufgrund seiner herausragenden Fähigkeiten in der Spieleranalyse vor allem beim Nachwuchs - als Akademieleiter oder in ähnlicher Funktion - gesehen. Für mich ging die Rückkehr in die mit am wichtigsten Position des Vereins einfach etwas zu schnell.

Was war der zweite Punkt?

Die Gesprächskultur des Vereins gegenüber Sponsoren, da spreche ich aus eigener Erfahrung, aber auch zu anderen Stakeholdern wie Fans, Bundesliga, Polizei und so weiter. Da sah ich deutlichen Besserungsbedarf. Aber wir kamen auf keinen grünen Zweig, also habe ich abgesagt.

Wie kam es dann zur Entscheidung, als Präsidentschaftskandidat anzutreten?

Ich habe mir in meine Loge in der Ebene Vier die Planters-Bar nachgebaut. Warum? Weil mir das Logenkonzept etwas zu wenig kommunikativ war. Meine Bar wurde dann recht schnell zu einem beliebten Treffpunkt und daraus ergaben sich ständig neue Kontakte. Da bekam ich erstmals Zurufe,
ich sollte als Präsidentschaftskandidat antreten. Das hat mich anfangs amüsiert, erst mit der Zeit hab‘ ich mich mit dem Gedanken langsam angefreundet. Erste ernsthafte Überlegungen gab’s aber erst ab Ende Jänner. Ab dann hab‘ ich begonnen, mich intensiver mit Rapid zu beschäftigen und hatte Termine mit den unterschiedlichsten Interessensvertretern – von Stadt, ÖFB, Bundesliga, anderen Vereinen etc. Im April wurde meine Kandidatur konkreter. Da haben dann auch die Medien begonnen, mich als Kandidat ins Spiel zu bringen. Die endgültige Entscheidung fiel aber eigentlich erst im August, kurz vor Ende der Bewerbungsfrist.

War da auch schon Robert Grüneis in Deinem Team?

Er ist ein wichtiger Ansprechpartner. Für mich ist die Stadt als Rapid-Partner sehr wichtig. Die Stadt, nicht die Parteipolitik. Der Verein sollte meiner Meinung nach immer politisch und finanziell unabhängig geführt werden. Wir hatten jedoch unterschiedliche Ansichten ob eines Platzes von Michael Tojner im Präsidium. Ich schätze Michael sehr, er ist auch ohne Zweifel ein riesiger Rapid-Fan, aber in der Situation des Rechtsstreits mit dem Land Burgenland war für mich klar, dass er keine Position im Präsidium bekleiden sollte. Mir war das, auch politisch, für Rapid damals zu heikel.

Wie hat das Wahlkomitee reagiert?

Es gab den Plan, die drei Listen zu bündeln und ein vierter, neu zu bestimmender, unabhängiger Kandidat sollte die Präsidentschaft übernehmen. Dafür waren eigentlich alle zugänglich, aber die zwei in Frage Kommenden sagten ab. Am 24. Oktober kam dann die Information aus dem Wahlkomitee, dass es nicht gelungen ist, eine Liste zu formen, verknüpft mit der Bitte, uns nochmals zusammenzusetzen.

Daraufhin kam es dann zur neuerlichen Einigung mit Grüneis?

Wir waren uns ja inhaltlich schon einmal einig und auch personell haben wir dann den gemeinsamen Nenner gefunden. Robert Grüneis würde sich im Präsidium vor allem dem wichtigen Akademieprojekt widmen.

Mit Tojner als Geldgeber?

Als Sponsor! Das ist mir wichtig. In Talk und Tore hat Kurt Garger von Investoren gesprochen. In Sachen Rapid geht’s bei Michael Tojner klar um Sponsoring. Robert Grüneis konnte Michael Tojner als Sponsor gewinnen, das ist ein großer Unterschied. Dafür gibt es einen Werbe-Gegenwert, so wie das allgemein üblich ist.

Im Internet brodelt bereits die Gerüchteküche, ein Auszug aus einem Blog auf der Homepage des „Klub der Freunde“ enthält folgende Meldung: „Hier ein Zitat eines Posters aus rapidfans.at: „Über Schmidt hab ich aus Wiener Kreisen gehört, dass er vorher das Stadion verkauft als dass er sein Geld in den Verein pumpt.“ Was entgegnest Du solchen Aussagen?

Ich kann versichern, in den vergangenen Jahren einen siebenstelligen Betrag in den Verein gepumpt zu haben, und werde das Stadion nicht verkaufen. Das kommt nicht in Frage.

Auch von der Initiative Rapid 2020 wurde schon vor der Deklarierung des Wahlkomitees und Veröffentlichung Deines Programmes zur Wahlmöglichkeit Stimmung gegen Dich gemacht. Warum, glaubst Du?

Der Martin Bruckner ist ein Erzgrüner, ich bin ein Erzgrüner - wir kämpfen für Rapid, und sonst nichts. Wir wurden vom Wahlkomitee seit Sommer um Stillschweigen gebeten, waren dazu angehalten, keine Interviews zu geben. Jetzt dürfen wir öffentlich sprechen. Das Team Bruckner hat den direkten Draht zur Geschäftsstelle Rapid. Das habe ich als Sponsor nicht. Die in vielen Bereichen großartige Arbeit leistende IR 2020 hat Mitglieder im Wahlkomitee und im Präsidium Bruckner, dass hier Stimmung für Bruckner gemacht wird, ist fast verständlich.

Auch im Wahlkomitee?

Das habe ich so empfunden, ja. Die IR 2020 kannte zwar unser Programm eigentlich noch nicht, hatte sich aber offenbar vorab festgelegt. Zum Beispiel Daniel Mandl, der sich bei Talk und Tore ganz offensichtlich für die Liste Bruckner ausgesprochen hat, obwohl wir unsere Konzepte da ja noch nicht präsentieren durften. Einige Tage später taucht er in der Liste Bruckner als sportlicher Beirat auf, in der Sendung hat er das aber nicht offengelegt. Schade finde ich, dass er meinte, erst seit letzter Woche Teil des Teams Bruckners zu sein, obwohl er im Konzept vom Hearing im September schon drinnen steht. Da frage ich mich, warum er nicht mit offenen Karten spielt. Es ist doch bitte kein Problem, sich für das seiner Meinung nach richtige Präsidium zu engagieren.

Ein großes Thema ist die Fanpolitik der Zukunft, was sind Deine Ansätze?

Es soll eine vernünftige Gesprächsbasis geben. „Tod und Hass“ von mir aus im Block, aber nicht im Management. Es muss die Möglichkeit bestehen, mit allen Stakeholdern auf Augenhöhe zu sprechen, mit den Fans, aber auch mit der Polizei. Hätte es eine vernünftige Gesprächsbasis gegeben, wäre ein Derbykessel vielleicht nicht passiert. Um das geht es mir, ein respektvolles Miteinander auf Augenhöhe.

Gesprochen hat Krammer ja wohl auch mit der Fanszene?

Das ist mir im Detail nicht bekannt. Es wurde von Stadionverboten gesprochen, dann ist aber nichts passiert. Das ist auch nicht der richtige Weg. Besonnenheit, Analyse, Gespräche mit den Fans und – sofern erforderlich – mit der Polizei, und dann wird man sich ein Bild machen. Und zur Logengeschichte, hier hätte meiner Ansicht nach der Ordnerdienst einschreiten müssen.

Was wohl für eine ziemliche Dissonanz mit den führenden Gruppen des Block West geführt hätte.

Wir müssen uns alle einig sein, dass wir Rapid nicht schaden wollen. Niemand, weder Präsidium, noch Block West oder Mitglieder, soll Rapid schaden. Mit einer vernünftigen Gesprächskultur sollte man da ein besseres Auskommen finden können.

Eine „härtere Gangart“ im Bereich Fanszene ist also nicht am Programm?

Der Block ist extrem gut organisiert und hat einen Riesenanteil am Stadionerlebnis, wie wir es kennen und lieben. Ich habe natürlich auch mit verschiedenen führenden Mitgliedern der Fanszene gesprochen. Wir haben über diverse Situationen aus der Vergangenheit diskutiert, und diese Gespräche waren, zumindest sehe ich es so, durchaus fruchtbar.

Zur Akademie: Welche Baugröße siehst Du als machbar an?

Wir wollen keinen Kompromiss, wir wollen die bestmögliche Lösung für Rapid. Die kostet viel Geld für den Bau und den Betrieb, das müssen wir aufstellen.

Wären größere Änderungen im Mitarbeiterstab Rapids geplant?

Rapid funktioniert operativ hervorragend. Sehr wohl kann man sich die Struktur ansehen. Auffallend ist die hohe Fluktuation in der Geschäftsstelle. Da würde ich nach Gründen suchen, aber nicht umrühren. Es geht um Prozesse, Effizienz, nicht darum, jemanden rauszuwerfen.

Was würdest Du machen, wenn Du am 25. nicht Präsident wirst?

Ich würde Martin Bruckner gratulieren und ihm das Beste für Rapid wünschen und natürlich bleibe ich Premiumsponsor.

Im Kurier wurdest Du als Millionär dargestellt, was macht Dich sonst noch aus?

Ich bin erst Millionär, wenn ich meine Firma IMMOunited verkaufen würde. Ich bin in Meidling aufgewachsen und habe dort bis zu meinem dreißigsten Lebensjahr gewohnt. Ich komme aus einer Beamtenfamilie und habe mir durch meine Arbeit ein gutgehendes Unternehmen und einen gewissen Wohlstand aufgebaut.