Sabine Karl: So macht der Beirat keinen Sinn

SABINE KARL ZUM GESPRÄCH ZU TREFFEN, MÜSSTE EIGENTLICH PLAUDEREIEN ÜBER RAPID UND ERINNERUNGEN AN LEGENDÄRE SPIELE BEINHALTEN. DIESMAL STAND ABER EIN WENIG ERFREULICHES THEMA IM VORDERGRUND, NÄMLICH DIE BEWEGGRÜNDE FÜR IHREN AUSTRITT AUS DEM RAPID-BEIRAT.
INTERVIEW: MAX FREY

Sabine, wann genau ist Dein Austritt aus dem Beirat erfolgt?
Ich habe ihn am 17. Februar dieses Jahres mittels E-Mail erklärt.

Kam es dann sofort zur Übergabe an Deinen Nachfolger Jochen Lehner?
Nein, er wurde nach einigen Wochen nachnominiert. Die Umbesetzung war auch auf der offiziellen Rapid-Homepage nicht gleich ersichtlich, wurde aber inzwischen eingetragen.

Was genau hat Dich denn zum Austritt bewogen?
Es gab schon eine längere Entwicklung, in der ich gemerkt habe, dass manche Leute, die nicht im Beirat sind, bei einigen Entwicklungen im Verein besser informiert waren als wir Beirat-Mitglieder. Was für mich aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat, war, wie man mit der im Dezember abgesagten Beirats-Sitzung umgegangen ist: Diese wurde mit der Begründung abgesagt, man habe nach der Präsidentschaftswahl viel zu tun und brauche noch Zeit bis zur nächsten Sitzung. Wir Beirats-Mitglieder hätten aber gerade diesen Termin zum gegenseitigen Kennenlernen im neu zusammengesetzten Gremium sehr begrüßt. Ich und einige andere Beirats-Mitglieder fragten in der Folge mehrmals via E-Mail nach einem neuen Termin – auf keines dieser Mails gab es eine Antwort! Nicht einmal eine dieser automatischen Antworten, dass die Anfrage angekommen ist und man sich um die Beantwortung kümmern würde. Am 17. Februar war für mich dann der Punkt erreicht, dass ich mich als Mitglied des Beirats nicht ernstgenommen fühlte, somit habe ich mich zum Austritt entschlossen. Ich möchte, dass dieses Gremium lebt! Das ist aber nicht möglich, wenn selbst einfache Termin-Anfragen schlicht ignoriert werden.

Sabine KarlKann man es also so formulieren, dass der Beirat für Dich eher zu einer Alibi-Aktion des Vereins verkommen ist?
Ja, schon. Er wurde ja auch zur Förderung des Informationsflusses und der Transparenz eingerichtet. Was im Interesse von uns Mitglieder-Vertretern, aber auch in jenem von Sponsoren lag. Das war ja zum Beispiel auch ein ausdrücklicher Wunsch der Mitglieder-Initiative „Rapid bin ich“. Dazu ist es aber nicht in der gewünschten Form gekommen. Wir sind zwar vom Selbstverständnis her ein Mitgliederverein, das Verhalten des Vereins entspricht aber jenem einer GmbH. Dazu möchte ich aber grundsätzlich sagen, dass ich über die Existenz des Beirats schon froh bin. Einer Einrichtung eben, in der Vertreter von verschiedenen Seiten zusammenkommen, sich austauschen und auch Ideen einbringen können. Das funktioniert aber nur, wenn man es auch lebt! Sprich: Man sollte den Beirat aufwerten und nicht abwerten.
Übrigens, ein weiterer Grund für meinen Austritt war das Verhalten so manchen hochrangigen Rapid-Mitarbeiters im Zuge des letztjährigen Präsidentschafts-Wahlkampfs: Da wurden ich und andere Mitglieder von „Rapid bin ich“ in sozialen Medien blockiert, man beschwerte sich auch über unsere Initiative. Es war ja bekannt, dass wir für die Liste Roland Schmid eintraten, doch von den Vereins-Mitarbeitern wäre neutrales Verhalten geboten gewesen. Auch für die Weihnachtsfeier habe ich nach all den Jahren plötzlich keine Einladung mehr erhalten, was wohl kein Zufall war. Somit stellte ich mir die Frage, ob es Sinn macht, mit Leuten in einer Beirats-Sitzung zu sitzen, die mich ignorieren oder gar blockieren.

Das klingt nicht gerade, als hätte der Wunsch nach Austausch von Argumenten bestanden.
Ja. Wobei ich schon weiß, dass es vielfach heißt, ich würde alles Mögliche kritisieren. Dabei war meine Kritik ja immer als etwas Konstruktives gedacht. Als Hinweise, was man anders oder besser machen könnte - im Sinne Rapids. Seit ca. 35 Jahren habe ich versucht, mich auf diese Art einzubringen und das hat etwa in Zusammenarbeit mit Andy Marek sehr gut geklappt. Um auf den Beirat zurückzukommen: Dass da in Sitzungen einseitig Berichte heruntergebetet werden wie bei einer Mitgliederversammlung, ist nicht der Sinn der Sache. Da habe ich mich dann auch gefragt, ob das den Weg vom 22. in den 14. Bezirk wert ist. Auch die Beirats-Ordnung ist im Vorjahr ohne Rücksprache mit den Beirats-Mitgliedern abgeändert worden, es sind also schon einige Dinge zusammengekommen. Andrea Cecconi von unserer Initiative hat zur aus unserer Sicht falschen Herangehensweise treffend gemeint: „Eigentlich sollten wir ein Verein mit GmbH sein. Wir sind aber eine GmbH mit Verein.“ Von den angekündigten „Brücken“, welche Bruckner und sein Team versprachen, nach der Wahl zu bauen, kann ich jedenfalls noch nichts sehen. Zumindest unsere Initiative ist da gespürt ausgenommen, wobei auch andere Institutionen wie der Ethikrat meines Wissens nach noch keinen Kontakt mit dem neuen Präsidium hatten. Kritik sorgt selten für Freude bei den Kritisierten, aber bei einem großen Verein sollte man seine Fühler in alle Richtungen strecken. Kritik ist ja nicht immer schlecht - man kann damit wachsen und sich verbessern, andererseits erhält man auch die Möglichkeit, Stellung zu nehmen.

Waren Deine Motive für den Austritt von den Ultras ähnlich?
Es war ein ähnliches Phänomen, dass ich hier wegen der Unterstützung des aus Sicht der aktiven Fanszene „anderen“ Präsidentschafts-Kandidaten ignoriert und von so mancher Facebook-Freundschaftsliste gelöscht wurde. Nicht, dass dieses Medium so wichtig wäre, aber ein Zeichen war das schon. Mir ist klar geworden, dass ich mich in weiterer Folge in diesem Fanclub unwohl und deplatziert gefühlt hätte. Leider wurden vor der Wahl auch von Seiten der Fanszene einige Falschinformationen verbreitet, etwa dass Roland Schmid in seinem Hearing eine Erhöhung von Stadionverboten angekündigt hätte. Das hat er nachweislich nicht getan.

Auch wenn diese Frage spekulativ ist: Glaubst Du, dass die Situation im Beirat mit einem Präsidenten Roland Schmid besser wäre?
Er hat vor der Wahl zugesagt, die Mitgliedervertreter im Beirat stärker einzubinden und für Transparenz sorgen zu wollen. Martin Bruckner hat das nicht zugesagt.

Man wird Dich aber – wenn dann wieder vor Zuschauern gespielt wird – weiterhin im Stadion sehen?
Auf jeden Fall! Mir geht es ja um Rapid. Und meine gelegentlich angebrachte Kritik an einigen Dingen war wie gesagt immer als etwas Konstruktives gedacht. Andy Marek hat früher gern gesagt „Wenn sich die Sabine Karl beschwert, dann hilft uns das.“ Leider hat sich aber der Eindruck der letzten Jahre, dass Mitglieder-Initiativen der Klubführung lästig sind, immer mehr verstärkt. Dabei wäre der Input dieser Gruppen so etwas wie eine kostenlose Ideenfundgrube, ein gemeinschaftlich betriebenes Brainstorming zum Wohle des Vereins. Schade, dass man das offenbar nicht aufgreifen will.

Abschließend, wie glaubst Du wird es mit Rapid nach der aktuellen globalen Krise weitergehen?
Das kann man gar nicht sagen! Es ist derzeit wirklich schwer abzuschätzen und hängt vor allem von der Länge der Geisterspiel-Phase ab. Und natürlich von den handelnden Personen, sprich vom Präsidium und den Geschäftsführern.

50 Jahre Sabine Karl 2018